Hermann Löns (1866-1914)

     

     

                          Verkoppelung

       

      Es geht ein Mann durch das bunte Land;
      Die Meßkette hält er in der Hand.
       
      Sieht vor sich hin und sieht sich um;
      "Hier ist ja alles schief und krumm!"
       
      Er mißt wohl hin und mißt wohl her;
      "Hier geht alles kreuz und quer!"
       
      Er blickt zum Bach im Tale hin;
      "Das Buschwerk dort hat keinen Sinn!"
       
      Zum Teiche zeigt er mit der Hand;
      "Das gibt ein Stück Kartoffelland!"
       
      Der Weg macht seinen Augen Pein;
      "Der muß fortan schnurgrade sein!"
       
      Die Hecke dünket ihn ein Graus;
      "Die roden wir natürlich aus!"
       
      Der Wildbirnbaum ist ihm zu krumm;
      "Den hauen wir als erstes um!"
       
      Die Pappel scheint ihm ohne Zweck;
      "Die muß da selbstverständlich weg!"
       
      Und so wird mit vieler Kunst
      Die Feldmark regelrecht verhunzt.

       

 

Kommentar:

Ich habe dieses Gedicht aus dem Reader “Die deutsche Landschaft stirbt - Zerschnitten, Zersiedelt, Zerstört” (Spiegel-Buch von 1983, Hg. Jochen Bölsche, Seite 231). Das Gedicht ist dem folgenden Kapitel zugehörig: Christoph Peck: Die Feldmark regelrecht verhunzt. Beispiel Landwirtschaft: Flurschaden durch Flurbereinigung, S.225-258.

Beim Lesen des Buches stehen einem die Haare zu Berge - ganz speziell aber auch bei dem Lesen dieses Kapitels. Hermann Löns hat hier in diesem Gedicht sehr gut den dienstbaren Techniker- und Bürokraten-Geist geschildert aus dem heraus die unfaßbaren Natur- und Landschaftseingriffe stattfanden und immer noch stattfinden.

 

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