Berlin, Gustav-Freytag-Straße

 

    Gustav-Freytag-Straße 1, II. Aufgang

 

 

    Ein weichgekochtes Ei

    Am Morgen.

    Sonne durchs Fenster

    Das Ei oben abpellen.

    Das Aktiv hospitiert

    Mit Radiomorgenpissmusik;

    ein frischer Kaffee

    und der Pfingstkuchen

    aus Pfaffenhofen.

    Der gute Rosinenkuchen

    Gebacken im Zeichen eines

    Gebärmutterkrebses.

 

    Neben mir Henry Miller

    („Tilgt diese Straße für immer aus meiner Erinnerung –

    es ist nicht eine Spur Sinn in ihr“)

    und der lachende Knabe

    Konfurzius

    Ein Schelm & Mümmelhäschen zugleich.

    Getragen von dem nicht minder lachenden

    sinnlichen Elfchen Ildiko.

 

    Und ich pelle das nächste

    weichgekochte Ei auf,

    drehe einen leichten Joint,

    gieße frischen Kaffee auf,

    öffne die Tür zum Balkon im 3. Stock

    der Gustav-Freytag-Straße

    für Sonne, Luft, Straßenbrandung

    und einzelne Vogellaute am Morgen.

 

 

    Manfred Aulbach,

    Berlin im Mai 69.

 

(Die Gustav-Freytag-Straße liegt bei der S-Bahn-Station Schöneberg, die damals ihren Dornröschenschlaf schlief, weil sie nicht in Betrieb war. „Das Aktiv hospitiert“ – es handelte sich um einen DDR-Sender. Eine Betriebsgruppe (das Aktiv) war an dem Morgen-Programm beteiligt).

 

Der S-Bahnhof Schöneberg im Jahre 2005

 

 

 

 

 

 

 

Die Gustav-Freytag-Straße im Jahre 2005. Ich wohnte damals von hier aus gesehen auf der linken Seite ziemlich weit hinten. Aber die Straße ist eh nicht sehr lang

 

 

 

 

 

 

 

Diese schöne Gustavo-Ecke gab es in jener Zeit 1969 allerdings nicht! Das würde ich wissen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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